PLattitüden

Auf  hinterhältige Art ästhetisch

Ausstellung: Plattitüden



Sie gelten in Filmen und auf der Straße als Zeichen der Coolness, aufreißen, ausschlürfen und mit einer lässigen Attitüde hinter sich werfen: Getränkedosen.

Gleichzeitig sind sie der Inbegriff eines Alltagsprodukts, dessen Zenit in Hinblick auf die ökologischen Konsequenzen schon längst überschritten ist.

Getränkedosen machen mit ihrer Leerung eine Wandlung durch von einem nützlichen Getränkebehälter zu Abfall, der Stadt und Land verschandelt, eine Wandlung von ökologisch 

nicht nachhaltiger Verpackung zu nachhaltigem Müll.

Das Dosenpfand (eingeführt am 1.1.2003) half für einige Zeit ein wenig, achtlos weggeworfene Dosen aus dem Straßenbild zu verdammen. Diese Tendenz erscheint mir rückläufig, Getränkedosen erscheinen wieder häufiger in Supermarktregalen und damit auch wieder in der Umwelt.

Dort liegen sie blöd rum und harren ihrer Verrottung (50-500 Jahre).

Auf Straßen läßt man sie dabei aber nicht in Ruhe. Sie werden überfahren, plattgewalzt, verbogen, verletzt, abgerieben, verwittern, bleichen aus, kurz: sie verändern sich ständig.

Diese Veränderung hat mein Interesse geweckt. Als hauptsächlicher Radfahrer bin ich ihnen täglich begegnet und irgendwann begann mich dieser Veränderungsprozess zu faszinieren.

Waren sie in ihrer Geburtsstunde noch alle gleich, unterschieden sie sich zu Lebzeiten nur durch ihre verschiedenen Bedruckungen.

Und nach ihrem Tod als Gebrauchsgegenstand, jetzt als Müll begannen sie zu leben. Von wegen, „im Tod sind all gleich“. 

Jede Dose entwickelt ein Eigenleben, verändert fortlaufend Form und Farbe, unterworfen einem Zufallsprozess.

Die Faszination ging so weit, dass ich anfing, Dosen aufzusammeln, ins Fotostudio zu tragen und zu fotografieren. Und zwar „schön“ zu fotografieren, um meine Faszination zu teilen.

Und hier kommen wir zu einer Frage der Ästhetik: „Darf Müll schön sein?“

Wer die vor weißem Hintergrund freigestellten plattgefahrenen „Plattitüden“ sieht, dem erschließt sich wahrscheinlich schnell ihre eigene ästhetische Ausstrahlung.

Kann Kunst die Welt verändern?

Hm, ich befürchte nicht. Aber meine Erfahrung mit diesen Bildern und Gespräche mit Betrachtern haben mir gezeigt, dass einigen dieser Menschen durch diese Fotos der Blick geschärft wurde, sprich: sie hatten vorher diesen „Müll“ gar nicht beachtet.


Hier eine kleine Auswahl aus über 200 Plattitüden.



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